ANNE MALHERBE
“Julien Beneyton”
2008

Text from the catalogue of the exhibition « Délicatesse des couleurs » , 2008, Hangar-7, Salzburg, AT

Julien Beneyton verwendet extreme feine Pinsel, solche, wie sie Pisanello für seine akribische Blumenmalerei benutzte und van Eyck, um in seiner Präzision ein in der Ferne unsichtbares Fensterkreuz aufs Genaueste zu malen.
Julien Beneyton hingegen beschreibt die Ausrütung eines Rappers ins kleinste Detail, bi shin zur Marke seiner Kopfhörer, ebenso wie die Aufschrift eines Schildes, die normalerweise nicht mehr zu entziffern wären.
Der Bezug des Künstlers auf die alten Meister ist verwandtschaftlich und keinneswegs Nachahmung ware oder Wiederverwertung. Sie haben, ebenso wie Beneyton, den Wunsch, alles, was möglich ist, für das Auge sichtbar zu machen. Wenn auch die Ersteren so der göttlichen Schöpfung huldigten, handelt es sich bei Beneyton um eine Leidenschaft für die Realität und ihre Menschen.
Er malt Rapper, weil er ihnen nahe steht. Fährt er nach Mauretanien oder in den Senegal, so stellt er die Menschen dar, denen er dort begegnet und die seine Aufmerksamkeit erregen.
Eine solche Leidenschaft ist jedoch nur etwas Wert, weil sie zur Malerei führt, sie verwandelt jegliches Ding in ein ausschlieBlich visuelles Universum und dehnt dessen Sichtbarkeit zum Extrem. Diese Sichtbarkeit ist so stark, dass sie paradoxerweise für das Auge quasi un fassbar wird. Von allen Seiten, aus jeder Ecke des Bildes herausgefordert, wird das Auge auf den Prüfstand gestellt: kann es die Dinge erfassen, sie erkennen und sie würdigen?
Diese Unruhe des Blicks ist auch jene des Künstlers, der unaufhörlich der Welt der Plakate, der Schilder, der Graffitis, der Obdachlosen oder der Händler, die darauf warten, die nächsten zu sein, Tribut zollt.
Die Langsamkeit der Malerei jedoch gibt den Rhythmus des Werkes vor, und erinnert daran, dass die Ansprüche der Malerei der Dringlichkeit des Sujets immer vorausgehen.

Anne Malherbe

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